“Komm doch, komm nach Hagen…werde Popstar, mach Dein Glück”
(Extrabreit)
1967… Irgendwann die alte E-Gitarre meines Vaters auf dem Speicher entdeckt. Rot war se, mit einem Megavibrator zum Erzeugen des zu der Zeit so populären “Hawaii-Sounds”.
1975-76… 11 Jahre alt. Mindestens einmal pro Woche die Gitarre umgehängt und draufrum geschremmelt. Schon mal Posen vor dem Spiegel geübt – erst mit Hintergrundmusik von den Beatles, später dann mit Bay City Rollers, Sweet, Slade und der ersten selbstgekauften Status Quo! Dabei irgendwie die graue Monolautsprecherbox des väterlichen Dual-Plattenspielers geplättet
1977-78… 13 Jahre alt. Wander-Gitarre zu Weihnachten gekriegt. Im Vergleich zur E-Gitarre natürlich total uncool, aber es sollte noch schlimmer kommen. Gitarrenstunden bei Musikschule Pockardt am Hagener Hauptbahnhof. “Weisst du wieviel Sternlein stehen…” auf sechs Saiten nach Noten gezupft. Irgendwie ganz klar das falsche Märchen.
1979… 15 Jahre alt. Mit ´nem Kumpel nach der Schule immer auf der E-Gitarre geklimpert (Er hatte ´ne saugeile Fender Stratocaster-Kopie, ich natürlich auf dem alten, roten Ding von meinem Vater) Dabei gelernt, wie man alte Röhrenradios frisiert und es sich mit ein wenig Lötgeschick so anhört wie ein echter Gitarrenverstärker mit Verzerrer. Voll krasse Verzerrung war sowieso das allerwichtigste!
1980… 16 Jahre alt. Die erste “Band” mit ´nem anderen Schulkumpel gegründet (wurde ja endlich mal Zeit) Na ja, “Band” ist irgendwie dann auch das falsche Wort, wenn man von zwei Klampfern und sonst nix spricht. Egal, wir hießen “STARKSTROM” und durften sogar auf unserem Realschulfest zu Ehren der anwesenden Austauschschüler aus Frankreich auftreten. Wenn ich mich richtig erinnere, waren wir so richtig Scheisse, wenn ich mich weiterhin richtig erinnere habe ich immer noch auf diesem alten, roten Kackding mit dem riesigen Beachboyshebel von meinem Vater gespielt. Tja, uncool halt!
1981… 17 Jahre alt. Hähähä, endlich den Koller und die
Kurve gekriegt und zumindest das rote Plastikzeug von der Gitarre mühsam abgeknibbelt. Dann den rohen Holzkorpus mit einem Pinsel weiß lackiert, neue Drehknöpfe drauf und dann kreuz und quer mit schwarzem Isolierband beklebt. Sah jetzt von weitem endlich nach einer konkreten Gitarre aus. Von etwas weiter weg sogar wie die Klampfe, die Eddie Van Halen auf dem VH-Debütalbum spielte und der war selbstverständlich sowas wie Gott. Uups, schon untertrieben! Egal, meine Gitarre sah jetzt endlich nach was aus, jetzt musste ich eigentlich nur noch spielen lernen. Ja, musste ich das denn wirklich? Oder brauchte man das eigentlich alles gar nicht so richtig auf der Fackel haben und konnte trotzdem einen fuckin’ coolen Musiker mimen? War das gesamte Rock’n Roll Business etwa doch nur Lug und Betrug?
1983 … ähh jetzt 19 Jahre alt. Endlich alle Ersparnisse zusammengekratzt und ‘ne Gitarre im Hagener “Musikertreff” gekauft. Natürlich nicht irgendeine, sondern ‘ne 1a japanische Gibson SG Kopie Marke “Yamakatchikato” für 250,- Kracher. Es musste jetzt eine Gibson SG sein, weil Angus Young aus diesem Scheissding so’n fetten Sound rausgekriegt hat. Ich frage mich heute noch wie er das gemacht hat, mein Röhrenradio war doch schon bis zum Anschlag hochgezüchtet?
1984-86… 20 Jahre alt! Über verdammt viele Umwege einige Mucker kennengelernt und eine neue Band namens “HARDWARE” gegründet. War zu der Zeit wohl noch ein wirklich innovativer Bandname und der Sound sollte dem natürlich entsprechen. Der andere Gitarrist, der Bassist und ich waren uns einig: “Voll fett krasser Gitarrensound mit ‘ner Frau am Mikrophon”, da konnte quasi gar nichts mehr schiefgehen, da war der Erfolg sozusagen vorprogrammiert! Leider bestand der Rest der Kapelle (Organist & Trommeln) aus armseligen, nebenberuflichen Tanzmusikern – in diesem besonders schlimmen Fall sogar aus verkappten Flippers Fans. Die musikalische Richtung wurde entsprechend bei jeder Probe aus Richtung dieses gefährlichen Duos sabotiert. Ich höre den Trommler heute noch sagen. “Bei diesem Stück sollte ich mit den Besen spielen!” Na ja, es kam wie es kommen musste. Ich glaube wir hatten einen Auftritt, bei einer Abi-Feier in Hagen. Fragmente meiner Erinnerung besagen weiterhin, dass ich vorher vor Aufregung stundenlang auf dem Scheisshauss gesessen habe, mir während des Auftritts eine Gitarrensaite gerissen ist und das Publikum an dieser Musik genauso interessiert war, wie unsere getarnten Tanzmusiker an Sex, Drugs & Rock’n Roll!
1986-88… 22 Jahre alt! Die Band löste sich langsam schleichend aber dennoch sicher auf. Nun war endlich der Weg frei zu neuen musikalischen Gipfeln, zu mehr Gitarrenkrach, mehr Verzerrung, mehr Lautstärke!! Richtig spielen konnte ich zwar immer noch nicht, aber warum auch? Ich ging zu einem Gitarristen-Casting bei einer neugegründeten Hard’n Heavy Kapelle, das irgendwo in einem düsteren Schwelmer Proberaum stattfand. Da stand megamäßiges Equipment im Raum und die Jungs hatten es irgendwie auch schwer auf der Fackel. Ich hatte daher auch recht schnell den Eindruck hier völlig fehl am Platze zu sein. Dazu kam, dass die nur so Gitarrengriffe spielten, von denen ich vorher noch nie gehört hatte.??!! Noch schlimmer war, dass man die auch gar nicht nachspielen konnte, ohne sich verdammt noch mal die Finger zu brechen. Dementsprechend ging das auch voll nach hinten los. Ich fasste daher einen festen und richtungsweisenden Entschluss: Ich wollte richtig Gitarre spielen lernen-mit allen zip und zap-und solchen hochnäsigen, elitären Möchtegern-Musikern dann ma’ so richtig einen vorzaubern. Hähähä!
1988… 24 Jahre alt! Ich war jedoch auch der Meinung, das solch ein
hochgestecktes Ziel nur mit dem richtigen Equipment zu bewerkstelligen war. Das selbstgelötete Röhrenradio musste folglich weichen und endlich einem aaaarrrrggghhhh Marshall Amp samt Box weichen. Der Rest war ein Kinderspiel! Einfach alles auf 11 drehen (wie die Spinal Tap Jungs) und jedes Kind erzeugt damit den “ich spiele jeden unter den Tisch- Killer Verzerr Sound “- Rock’n Roll Injection pur quasi! Das hat allerdings auch einen Nachteil, den ich hier nicht gänzlich unter den Tisch fallen lassen will. Ein Marshall auf 11 ist in ungefähr so laut wie ein Picknick neben der Start-und Landebahn des Düsseldorfer Flughafens, also alles andere als der Auslöser einer wunderbar harmonischen Nachbarschaft. What the fuck, Rock’n Roll fordert nun mal auch einige Opfer…
1989… werde älter. Aber jetzt ging da was, auf einmal stimmte die Chemie, denn ich hatte wunderbare Menschen getroffen, die – bis auf wenige Ausnahmen – genau die gleichen Krampen an Ihrem Instrument waren wie ich selber. Einfach laut und ab dafür! Es konnte somit losgehen, der Musik-Karriere stand nichts mehr im Wege. Was daraus geworden ist.??…statt Sex, Drugs & Rock’n Roll vermutlich eher Kuhstall, Andreas Pils & Nachspielhits…aber hey, dafür geht’s uns immer noch ganz gut und wir sind nicht im Alter von 30 Jahren unter mysteriösen Umständen tot in einem Hotelzimmer aufgefunden worden, sind nicht an unserem Erbrochenen erstickt, haben keinen Herzinfarkt aufgrund wundersamer Alkohohol/Drogen/Medikamentenmixes bekommen oder haben Schrotkugeln in unser Hirn geblasen! Sind wir cool?
“Lauter Lolli Laumann Lutscher” (Eroc)

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